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WHO: Anti-Tabak-Konvertion

Rauchern in aller Welt wird ab jetzt über Ländergrenzen hinweg der Kampf angesagt. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) spricht von einem "historischen Moment für die weltweite Volksgesundheit".

Erstmals in ihrer 54-jährigen Geschichte hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit einer Anti-Tabak-Konvention einen Gesundheitsstandard angenommen, der sich in der ganzen Welt durchsetzen soll. Alle 192 Mitgliedstaaten der WHO stimmten dem Regelwerk zu, das nun noch von den einzelnen Ländern ratifiziert werden muss. Es soll die Tabak-Werbung beschränken sowie das Rauchen an öffentlich zugänglichen Plätzen grundsätzlich verbieten. Die Konvention könnte in über einem Jahr wirksam werden. Die Konvention kann in Kraft treten, wenn sie von 40 Staaten ratifiziert wird.

Die scheidende WHO-Generaldirektorin Gro Harlem Brundtland, die im Juli von dem Mediziner und WHO-Experte Jong-Wook Lee aus Südkorea abgelöst wird, sprach von einem "historischen Moment für die weltweite Volksgesundheit". Nach Einschätzung der WHO sterben jährlich fünf Millionen Menschen an Krankheiten, die durch das Rauchen verursacht werden. "Heute handeln wir, um Milliarden Leben zu retten", sagte Brundtland. Auch die EU-Kommission stützt die Konvention. "Bewaffnet mit dieser Konvention können wir voranschreiten, um die Tabak-Kontrolle zu einem Eckpfeiler der Gesundheitsschutzes zu machen", sagte EU-Gesundheitskommissar David Byrne.

Deutschland und die USA hatten sich bis zuletzt skeptisch gezeigt, weil sie ein generelles Werbeverbot für Tabakerzeugnisse ablehnen. Sie stimmten dann jedoch auch zu. Die Parlamentarische Staatssekretärin und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk (SPD) sagte in Berlin: "Nichtrauchen muss der Normalfall werden - bei uns und auf der ganzen Welt." Die Bundesregierung will noch in diesem Jahr ein "Anti-Tabak-Programm" aus gesetzlichen und vorbeugenden Maßnahmen vorlegen. Caspers-Merk sagte, ein totales Werbeverbot lehne die Bundesregierung aus verfassungsrechtlichen Gründen weiter ab. Das schließe jedoch nicht aus, dass im Bereich des Kinder- und Jugendschutzes weitere Einschränkungen der Tabakwerbung geplant seien. Es sei das erklärte Ziel der Bundesregierung, insbesondere die Raucherquote bei den Jugendlichen in der Altersgruppe von zwölf bis 17 Jahren von derzeit 28 auf 20 Prozent zu senken.

Im internationalen Vergleich waren die Deutschen mit rund 140 Milliarden verkauften Zigaretten im vergangenen Jahr die fünftgrößte Raucher-Nation. Auf Platz eins liegt China. Dort wurden 1600 Milliarden Zigaretten verkauft. Es folgen die USA (422 Milliarden), Japan (326) und Russland mit 280 Milliarden. Allein in Deutschland belaufen sich die Werbekosten auf rund 300 Millionen Euro im Jahr. Nach Medizinerangaben sterben hierzulande täglich etwa 314 Raucher an den Folgen ihrer Sucht.